Die International Lutosławski Youth Orchestra (ILYO) ist ein internationales Ensemble, das sich aus herausragenden Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen von Musikhochschulen aus aller Welt zusammensetzt. Die jungen Musikerinnen und Musiker werden jedes Jahr im Rahmen eines hochkarätigen Auswahlverfahrens ausgewählt, an dem Hunderte Bewerberinnen und Bewerber teilnehmen. Als eine der wenigen Initiativen dieser Art in Europa konzertierte das Orchester bereits in bedeutenden Konzerthäusern wie dem Gewandhaus zu Leipzig, dem Konzerthaus Berlin sowie dem National Forum of Music. Seit seiner Gründung im Jahr 2013 wird das Projekt von der Philharmonie in Stettin organisiert, wo die ILYO jedes Jahr auftritt.
„Grażyna Bacewicz ist zweifellos ein schöpferisches Phänomen – ja, ein Phänomen von weltweitem Rang“, schrieb Stefan Kisielewski im Jahr 1964. Die Komponistin war in jeder Hinsicht eine Naturgewalt. Mit großer Selbstverständlichkeit verband sie ihr kompositorisches Schaffen mit einer internationalen Karriere als Violinvirtuosin. Der Erste Weltkrieg bildete die Kulisse ihrer Kindheit, der Zweite den historischen Kontext, in dem ihr erstes Orchesterwerk entstand – die Ouvertüre für Orchester. Das 1943 im deutsch besetzten Warschau komponierte Werk ist eine kurze, doch außerordentlich eindringliche Komposition, geprägt von rhythmischer Energie und expressiven Kontrasten.
Im Gegensatz zu Bacewicz erfüllte sich Jean Sibelius seinen Traum von einer Laufbahn als Violinvirtuose nie. Seine Ambitionen wurden während eines Probespiels für die Wiener Philharmoniker nachhaltig gedämpft. Das Urteil der Jury – ein zurückhaltendes „nicht schlecht“ – war zugleich mit dem diskreten Hinweis verbunden, über einen anderen beruflichen Weg nachzudenken. Sibelius folgte diesem Rat und wurde zu einem der bedeutendsten skandinavischen Komponisten der Musikgeschichte. Sein Violinkonzert zählt heute zu den meistgespielten Werken seiner Gattung. Zugleich ist es ein Meisterwerk, das Sibelius selbst als Solist wohl niemals zu seiner eigenen Zufriedenheit hätte aufführen können. Vielleicht war gerade dieser unerfüllte Traum einer Karriere als Violinvirtuose der Anlass für die Entstehung dieses außergewöhnlichen Werkes – und zugleich der Grund dafür, dass er nie ein weiteres Violinkonzert komponierte.
Sibelius’ Violinkonzert in einer Aufführung mit Hilary Hahn (Violine) und dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter der Leitung von Mikko Franck:
Bilder einer Ausstellung, ursprünglich von Modest Mussorgsky als groß angelegter Zyklus von zehn Klavierminiaturen komponiert, gilt bis heute als sein bekanntestes Werk – auch wenn ein erheblicher Teil seiner Popularität Maurice Ravel zu verdanken ist. Ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung des Originals bearbeitete der französische Komponist das Werk für großes Symphonieorchester und verwandelte es in ein schillerndes Panorama orchestraler Klangfarben, das seinen festen Platz im Konzertrepertoire fand. Die Komposition entstand als musikalische Reaktion Mussorgskys auf eine Gedächtnisausstellung der Werke seines Freundes Viktor Hartmann – Maler, Architekt und Bühnenbildner. Zehn der eindrucksvollsten Bilder übertrug der Komponist in Klang und schuf so einen Zyklus von außergewöhnlicher Bildkraft. Zugleich schrieb er sich selbst in die musikalische Erzählung ein – in Gestalt der wiederkehrenden „Promenade“, eines leitmotivischen Gedankens, der die Zuhörenden von Bild zu Bild führt. Mussorgskys Genie und seine außergewöhnliche Fähigkeit, mit Klang zu malen, inspirierten Generationen von Komponisten. Im Laufe der Zeit entstanden Dutzende Orchesterfassungen dieses Klaviermeisterwerks. Keine jedoch erreicht die Raffinesse, Farbigkeit und Präzision von Ravels Bearbeitung – der berühmtesten symphonischen Gestalt eines Werkes, das das Publikum seit mehr als einem Jahrhundert fasziniert und bewegt.
Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky in einer Aufführung des hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Alain Altinoglu: