Das Symphonieorchester der Philharmonie in Szczecin wird auch in diesem Jahr wieder beim Choriner Musiksommer auftreten – einem Festival der klassischen Musik, das alljährlich im historischen Zisterzienserkloster in Chorin (Deutschland) stattfindet. Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, und es zählt zu den wertvollsten Beispielen der Backsteingotik.
Unser Orchester wird die bei Streichorchestern außerordentlich beliebte Serenade für Streichorchester op. 2 von Mieczysław Karłowicz aufführen, die am 15. April 1897 in Berlin uraufgeführt wurde. Es spielte damals das Berliner Philharmoniker unter der Leitung von H. Urban. Das Werk besteht aus vier Sätzen, deren Anzahl und Titel (Marsch, Romanze, Walzer, Finale) an die damals populären Kompositionen von Mozart, Volkmann, Tschaikowsky oder Dvořák erinnern. Die Musik der Serenade ist jedoch eine vollkommen originelle Schöpfung, und in vielen Passagen ist deutlich jene für Karłowicz so charakteristische lyrische Klangsprache zu hören.
Ein weiteres Werk von Mieczysław Karłowicz, das an diesem Abend erklingen wird, sind die Ewigen Lieder – wohl das persönlichste Werk des Patrons der Philharmonie. Es handelt sich um eine Art symphonisches Triptychon. Obwohl die Komposition zahlreiche Merkmale spätromantischer Musik aufweist, finden sich hier zugleich jene für Karłowicz typischen lyrischen, weiträumigen Themen mit deutlich slawischer Färbung. Anlässlich der Warschauer Premiere veröffentlichte Karłowiczs Freund, der Musikwissenschaftler Henryk Opieński, in der Zeitschrift Scena i Sztuka eine Inhaltsbeschreibung des Werkes, die auf einem Gespräch mit dem Komponisten beruhte: „In der Form eines symphonischen Triptychons sprach der Autor das aus, was in der Seele des Musiker-Künstlers erklang, wenn er vielleicht auf den Granitgipfeln der Tatra ruhend – in deren Umgebung er seit einigen Jahren lebte – über die größten Fragen des menschlichen Daseins nachdachte: über die ewige Sehnsucht des Geistes, über Liebe und Tod …“ (zit. nach:
culture.pl).
Im Konzert wird außerdem die II. Symphonie D-Dur von Jean Sibelius erklingen. Sibelius selbst sagte, dass er „die geheimnisvollen Klänge von Feldern, Wäldern, Gewässern und Bergen“ liebe. Diese Klangwelt ist in einem seiner bedeutendsten Werke – der Symphonie Nr. 2 – deutlich hörbar. Nach der Uraufführung im Jahr 1902 verglichen Kritiker das Werk mit den größten Symphonien von Ludwig van Beethoven. Sibelius selbst bezeichnete die Symphonie als sein aufrichtigstes musikalisches Bekenntnis, als intime Beichte, die seiner Heimat gewidmet sei. Aufgrund ihrer Entstehungszeit (1901-1902) und ihres pathetischen Charakters wird die Symphonie häufig mit Finnlands Kampf um die Unabhängigkeit in Verbindung gebracht.
Das Sinfonieorchester der Philharmonie Szczecin wird vom Dirigenten
Przemysław Neumann.