Witold Maliszewski gehört zu jener Komponistengeneration, die neben Karłowicz, Nowowiejski und Różycki die Musik an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entscheidend mitprägte. Obwohl sein Schaffen lange im Schatten bekannterer Persönlichkeiten stand, wird es heute als Ausdruck eines reifen und eigenständigen Musikverständnisses neu entdeckt.
Sein Lebensweg führte ihn durch verschiedene kulturelle Zentren Osteuropas, von Mohylów Podolski über Tiflis bis nach St. Petersburg, wo er bei bedeutenden Vertretern der russischen Kompositionsschule studierte. Nach mehreren Jahren in Odessa kehrte er 1921 nach Polen zurück und engagierte sich als Pädagoge und Organisator im Warschauer Musikleben. Maliszewski war an der Organisation des ersten Chopin-Wettbewerbs beteiligt und gehörte zu den Mitbegründern des Chopin-Instituts. Zu seinen Schülern am Warschauer Konservatorium zählte Witold Lutosławski.
Als Komponist blieb Maliszewski einer klar umrissenen Ästhetik treu. In der Musik suche ich ausschließlich nach einem Inhalt, der in eine klare, deutliche und prägnante Form gegossen ist. Seine Werke, darunter die um 1902 vollendete Fröhliche Ouvertüre op. 11, zeugen von großer handwerklicher Meisterschaft, farbenreicher Orchestrierung und einem sicheren Gespür für musikalische Dramaturgie. Diese entsteht vor allem durch Kontraste und das Wechselspiel von Motiven zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen. Maliszewskis Musik ist fest in der Tradition verwurzelt und zugleich lebendig, ausdrucksstark und unverwechselbar. Przemysław Neumann, Direktor unserer Philharmonie, widmet sich seit Jahren der Wiederentdeckung, Verbreitung und editorischen Aufarbeitung seiner Werke und gilt heute als einer ihrer bedeutendsten Interpreten.
Im Mittelpunkt des Abends steht Vincent Ong als Solist im Klavierkonzert von Frédéric Chopin. Der junge malaysische Pianist machte beim Internationalen Frédéric-Chopin-Klavierwettbewerb 2025 auf sich aufmerksam, bei dem er den 5. Preis erhielt. Ong studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und zählt zu den Pianisten seiner Generation, die sich konsequent im Chopin-Repertoire profilieren. Als erster Vertreter Malaysias nahm er am Chopin-Wettbewerb teil. Seine erste internationale Auszeichnung erhielt er bereits im Alter von 17 Jahren beim Internationalen Klavierfestival in Taipeh (2018).
Und falls Ihnen diese Anreize noch nicht genügen sollten, was wir uns kaum vorstellen können, erwartet Sie nach der Pause die sinfonische Dichtung Das Meer von Claude Debussy. Über dieses Werk berichten wir am folgenden Tag ausführlicher in unserer Reihe Sinfonische Monumente. Schon jetzt können wir versprechen, dass Sie in der Philharmonie in Szczecin einen besonderen Abend mit schöner und facettenreicher Musik erleben werden, ganz im Sinne von Maliszewskis Ideal: in eine klare, helle und prägnante Form gefasst.
DETAILS
In den Tiefen der Gefühle
29-01-2027 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin