Braucht Groove wirklich E-Gitarren, Synthesizer und eine umfangreiche Rhythmusgruppe? Oder liegt sein Ursprung vielleicht in etwas viel Tieferem? In einem gemeinsamen Puls, in der Vorstellungskraft und in der Freiheit der Improvisation? Genau diese Frage stellt das neueste Projekt des Atom String Quartet. Wie die Musiker selbst betonen, braucht Funk nicht unbedingt die Instrumente, die man normalerweise mit diesem Stil verbindet. Entscheidend sind vielmehr Rhythmus, Energie und musikalische Vorstellungskraft. Solange diese erhalten bleiben, bleibt auch der Funk-Charakter bestehen.
Paradoxerweise entwickelte sich gerade in den 1970er- und 1980er-Jahren, als Polen noch hinter dem Eisernen Vorhang lag, eine der interessantesten Jazzszenen Europas. Das Festival Jazz Jamboree zog die größten Stars der internationalen Jazzwelt an, während die legendäre Plattenreihe Polish Jazz die Entwicklung mehrerer Generationen herausragender Künstler dokumentierte. Dabei orientierte sich Polen nicht einfach am Westen. Die einheimischen Musiker entwickelten vielmehr eine eigene musikalische Sprache, indem sie Jazz mit Funk, Rock, klassischer Musik und slawischer Melodik verbanden.
Genau in dieser Zeit entstanden die Kompositionen von Michał Urbaniak, Zbigniew Seifert, Zbigniew Namysłowski, Jan Ptaszyn Wróblewski, Władysław Sendecki, Andrzej Zaucha und Krzesimir Dębski. Ihr Schaffen zeigte, dass Musik selbst unter politischen Einschränkungen ihre künstlerische Freiheit bewahren kann.
Die Idee für das Album entstand ganz unerwartet. Während der Vorbereitungen auf ein Konzert mit Musik von Zbigniew Seifert griffen die Musiker des Atom String Quartet auf sein Musikstück Nasty Gal zurück. Wie sich Mateusz Smoczyński erinnert, entstand genau in diesem Moment der Gedanke: Vielleicht ist das ein guter Ausgangspunkt, um uns in Richtung Funk zu bewegen? Aus einem einzigen Stück entwickelte sich schließlich ein Projekt, das eine ganze Epoche der polnischen Musik umfasst. Nicht alle ausgewählten Kompositionen sind Funk im engeren Sinne. Was sie jedoch verbindet, sind ein gemeinsamer Puls, Groove, Energie und die charakteristische Atmosphäre jener Jahrzehnte.
Das Projekt hat zudem eine symbolische Dimension. Atom Goes Funky erschien bei Warner Music als 91. Veröffentlichung der legendären Reihe Polish Jazz und ist zugleich das erste Album in der Geschichte dieser Reihe, das von einem Streichquartett aufgenommen wurde. Darin zeigt sich eine schöne Kontinuität. Die Musik, die vor einem halben Jahrhundert die Entwicklung des polnischen Jazz mitprägte, wird heute zur Inspirationsquelle für eine neue Generation von Künstlern.
VIDEOS UND FOTOS
DETAILS
Atom Goes Funky 22-01-2027 19:00
SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin