Seht, dort oben steht ein Schloss, in dem eine reiche Prinzessin lebt. Der Wald verneigt sich vor ihr, ihre Rosen blühen, und sie lebt umgeben von Sonne und Blumen! Mit diesen Worten beginnt nach der fantasievollen Ouvertüre zu Bajka (dt. Das Märchen) von Stanisław Moniuszko die eigentliche Geschichte von den Abenteuern der Prinzessin Basia. Erzählt wird sie in acht orchestralen Variationen für Sopran und Orchester nach Texten von Janina Gillowa.
Prinzessin Basia würde sich vermutlich gut zurechtfinden, wenn ihr Schloss in unserem Land stünde, denn sie beklagt sich ständig über alles Mögliche, ohne selbst genau zu wissen, warum. Weder der Kirschgarten noch die weiße Katze, die sich an sie schmiegt, der blinzelnde Papagei, der Clown auf Stelzen oder die fröhlich umherspringenden Ziegen können die mürrische junge Dame aufheitern. Tag für Tag sitzt sie seufzend am Fenster ihres Zimmers und blickt hinaus. Schließlich flieht sie in einem Anfall tiefster Verzweiflung aus dem Schloss und verirrt sich in einen unheimlichen Wald. Dort wird die emotionale Anspannung zu groß, und die Prinzessin schläft ein, vermutlich noch immer zutiefst unglücklich.
Durch eine wundersame Fügung des Schicksals gerät die Prinzessin auf ein Fest, das nicht, wie man erwarten könnte, von sieben, sondern von ganzen achtzig Zwergen veranstaltet wird. Doch selbst die Bemühungen des Märchenerzählers bleiben erfolglos, denn Basia ist weiterhin traurig. Und Sie ahnen es vermutlich schon. Auch drei fröhliche Seenjungfrauen können daran nichts ändern.
Gerade als wir glauben, Maliszewskis orchestrale Kunst noch bis zum Morgen bewundern und dabei immer neue musikalische Versuche erleben zu können, das launische Mädchen aufzuheitern, eilt uns und der bedrängten Heldin eine gute Fee zu Hilfe. Der Kummer quälte dich gar sehr, denn singen konntest du nicht mehr. Mit einem Wink ihres Zauberstabs führt die achte Variation schließlich zum Happy End. Prinzessin Basia gewinnt ihre Lebensfreude zurück, und das Heilmittel dafür ist die Musik. Genau dazu möchten auch wir in der Philharmonie auf jede erdenkliche Weise ermutigen.
Der Abend ist natürlich kein beschauliches Gutenachtmärchen, sondern eine weitere Begegnung mit dem Werk von Witold Maliszewski. Przemysław Neumann, Kenner, Vermittler, Herausgeber und Interpret seiner Musik, wird unser Orchester mit der ihm eigenen Eloquenz leiten und dabei jede Nuance, jede Klangfarbe und alle Möglichkeiten des Orchesters ausschöpfen. Und richtet sich die Moral dieser Geschichte nicht letztlich an uns alle? Wenn Sie sich das nächste Mal ohne erkennbaren Grund melancholisch fühlen, empfehlen wir Ihnen, Ihre Lieblingsmelodien zu singen. Dann wird sicher auch die gute Fee ihren Teil dazu beitragen.
DETAILS
Melodie des Himmels
14-05-2027 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin