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KARŁOWICZ FEST | Abschlusskonzert

Sinfonisches Konzert
Sinfoniesaal
MUSIK
  • John Adams - Short Ride in a Fast Machine
  • Sergiej Rachmaninow - Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll, op. 18
  • Mieczysław Karłowicz - Stanisław und Anna Oświecimowie, op. 12
Dieses Konzert erzählt von einer der schwierigsten menschlichen Erfahrungen – von einer Liebe, die keine Erfüllung findet. Es ist ein Gefühl, das im Schaffen von Mieczysław Karłowicz immer wiederkehrt – als Sehnsucht, als Verlangen, als etwas, das unerreichbar bleibt.


Dieselbe Gefühlswelt begegnet uns auch im Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 von Sergei Rachmaninow. Obwohl sich die beiden Komponisten nie persönlich begegneten, gehörten sie derselben Generation an und schufen ihre Werke nahezu zeitgleich. Rachmaninow vollendete sein Konzert im Jahr 1901, als Karłowicz an seinen ersten sinfonischen Dichtungen arbeitete. In beiden Fällen hören wir die Faszination für das innere Erleben, für eine Emotion, die unter der Oberfläche des Geschehens verborgen liegt. Beide Komponisten zählen zu jenen Künstlern, die das Wesentliche nicht in der äußeren Welt suchten, sondern im Inneren des Menschen.

Im privaten Leben von Karłowicz lässt sich kaum die Geschichte einer erfüllten Liebe erkennen. In seinen Briefen und in Erinnerungen kommt keine Partnerin vor. Liebesthemen bleiben eher am Rand. Umso nachdenklicher stimmt ihre Präsenz in seiner Musik – als Erfahrung des Unerfüllten und Hilflosen, ja geradezu Tragischen.

Besonders deutlich wird dies in der sinfonischen Dichtung Stanisław und Anna Oświecim op. 12. Als Inspiration diente Karłowicz die Legende von einem Geschwisterpaar, das von einer verbotenen und unerfüllbaren Liebe zueinander ergriffen wurde. Trotz des Versuchs, gegen dieses Gefühl anzukämpfen, und trotz einer dramatischen Reise nach Rom, die schließlich mit der Erlaubnis zu ihrer Verbindung endete, nimmt die Geschichte einen tragischen Ausgang. Der Tod trennt die Liebenden, und Erfüllung wird erst jenseits dieser Welt möglich. Karłowicz kam in Krakau mit dieser Erzählung durch ein Gemälde in Berührung, auf dem Anna Oświecimówna auf dem Sterbebett dargestellt ist. Das Bild beeindruckte ihn tief und wurde zum unmittelbaren Anstoß für die Entstehung des Werkes. Bis heute ist es in den Krakauer Tuchhallen zu sehen.

Gerade dieses Motiv – das einer unerfüllten und zugleich außerordentlich starken Liebe – kehrt in seinem Schaffen immer wieder. Es ist eine Emotion, die die Musik durchdringt und ihr eine besondere Intensität verleiht. Vielleicht lässt sich gerade deshalb so leicht etwas sehr Persönliches darin erkennen – etwas, das viele von uns auf ihre eigene Weise kennen und verstehen.

Dieser Abend lädt dazu ein, einer Musik zu lauschen, die von schwierigen und oft verborgenen Gefühlen erzählt. Und vielleicht lässt sich gerade in dieser Musik – voller Sehnsucht und Unerfülltheit – nicht nur ihr Echo finden, sondern auch eine gewisse Form von Trost.

Anlässlich des Eröffnungskonzerts stellten wir uns die Frage, was es bedeutet, Mieczysław Karłowicz als Namensgeber zu haben. Was wollte er mit seiner Musik vermitteln, und was kann sein Schaffen dem heutigen Publikum sagen? An den folgenden Abenden haben wir versucht, Antworten darauf zu finden. Wir entdeckten, dass Jugend bei Karłowicz keine Frage des Alters ist, sondern den Mut bedeutet, sich der Welt zu stellen. Dass bestimmte Erfahrungen wiederkehren und zum Motiv eines ganzen Lebens werden. Dass eine der schwierigsten menschlichen Erfahrungen die Liebe ist, die keine Erfüllung findet. Dass die wichtigsten Emotionen nicht an der Oberfläche liegen, sondern tief verborgen sind, oft auf den ersten Blick unsichtbar. Und schließlich, dass das Erwachsenwerden uns nicht von den Fragen entfernt, sondern sie immer tiefer in uns verankert.

Ein paar Anhaltspunkte, die Emotionen beschreiben, reichen jedoch nicht aus, die Welt von Karłowicz zu erfassen. Hinzu kommt sein Wirken als Organisator des Musiklebens, als aufmerksamer Beobachter und als Kritiker. Nicht zu vergessen ist seine Leidenschaft für die Tatra: ein außergewöhnliches Bedürfnis nach Nähe zur Natur, das ihn zu einem Pionier des Bergwanderns, des Skisports und der Fotografie machte. In seinem so kurzen, nur zweiunddreißig Jahre währenden Leben hinterließ er Spuren von außergewöhnlicher Intensität des Erlebens und Handelns. So reich die erste Ausgabe des Festivals auch war, bleibt doch das Gefühl, dass dies erst der Anfang ist: dass man von Karłowicz noch viele Jahre lang erzählen kann, immer wieder mit einem anderen Schlüssel zum Verständnis seiner Musik und seines Lebens.

Hören Sie ausgewählte Ausschnitte aus dem Konzertprogramm:

VIDEOS UND FOTOS


DETAILS
KARŁOWICZ FEST | Abschlusskonzert
19-12-2026 19:00
SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin

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