
Die in Breslau geborene Mezzosopranistin Joanna Dobrakowska verbindet in ihrem Gesang die warme Klangfarbe eines samtigen Mezzosoprans mit technischer Souveränität und stilistischer Vielseitigkeit. Dadurch bewegt sie sich mühelos zwischen unterschiedlichen Epochen und musikalischen Genres. Ihr Studium absolvierte sie mit Auszeichnung an der Musikakademie Breslau in der Klasse von Prof. Bogdan Makal. Anschließend vervollkommnete sie ihre Gesangsausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Prof. Helena Łazarska. Weitere wichtige künstlerische Impulse erhielt sie in Meisterkursen in Polen, Spanien, Österreich und Deutschland bei Künstlerpersönlichkeiten wie Ildiko Raimondi, Rolando Panerai und Kirsten Schötteldreier.
Sie trat bei zahlreichen renommierten Festivals und Konzertreihen auf, darunter Wratislavia Cantans, das Beethoven-Festival in Warschau, das Bach Archiv Leipzig, die Journées Mozart in Lausanne sowie das Dubrovnik Opera Festival. Darüber hinaus konzertierte sie auf Bühnen in Paris, Damaskus, Zagreb und Istanbul. Ihr Repertoire reicht von Alter Musik bis hin zu zeitgenössischen Werken. Sie wirkte an Uraufführungen von Kompositionen von Johanna Doderer, Ella Milch-Sheriff und David Gaines mit.
Joanna Dobrakowska verkörperte zahlreiche Opernrollen, darunter die Dritte Dame in
Die Zauberflöte, Isabella in
L’italiana in Algeri, Don Ramiro in
La finta giardiniera, Marcellina in
Le nozze di Figaro, Miss Eveline Huck in Karol Szymanowskis Operette
Loteria na mężów, czyli narzeczony nr 69, Jadwiga in
Das Gespensterschloss, Schwester Luisa in
Die Teufel von Loudun, Zerlina in
Don Giovanni, Suzuki in
Madama Butterfly, Fenena in
Nabucco sowie Mutter Ente in
Das hässliche Entlein. Darüber hinaus sang sie die Titelrollen in
Amadigi und
Carmen. Diese und weitere Partien interpretierte sie unter anderem an der Krakauer Oper, der Oper und Philharmonie Podlachien sowie am Teatr Wielki – Polnische Nationaloper.
Neben ihrer Operntätigkeit widmet sie sich mit großer Leidenschaft dem Liedgesang. Besonders schätzt sie die intime Atmosphäre von Liederabenden, die einen unmittelbaren und persönlichen Austausch mit dem Publikum ermöglicht.
Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie mit zahlreichen bedeutenden Dirigenten zusammen, darunter Jacek Kaspszyk, Tadeusz Kozłowski, Andrzej Kosendiak, Jan Tomasz Adamus, José Maria Florêncio, Andrew Parrott, Andrés Orozco-Estrada, Giancarlo Guerrero, Ernst Kovacic, Frank Ollu, Laurence Equilbey und Ariane Matiakh.
Sie ist Preisträgerin mehrerer Gesangswettbewerbe sowie Stipendiatin des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe sowie der Republik Österreich.
Ihre Diskografie umfasst mehr als ein Dutzend Aufnahmen – von Sergej Rachmaninows
Vespern für das französische Label Naïve bis hin zu Einspielungen mit dem Breslauer Barockorchester und Alben mit polnischer Musik des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Aufnahme eines Oratoriums von Bononcini unter der Leitung von Andrzej Kosendiak wurde für den ICMA Award 2020 nominiert. Außerdem wirkte sie an der Uraufführung und DVD-Produktion von Karol Szymanowskis Operette
Loteria na mężów, czyli narzeczony nr 69 unter der Leitung von Piotr Sułkowski mit. In den vergangenen Jahren erschien zudem eine Aufnahme von
Concertino quasi una Fantasia mit der Sudetischen Philharmonie unter Bartosz Żurakowski.
Während der Pandemie realisierte sie im Rahmen der Programme „Kultura w Sieci“ und „Muza w Sieci“ ein Online-Projekt mit Hugo Wolfs
Italienisches Liederbuch. Auf Einladung der Sudetischen Philharmonie interpretierte sie außerdem Ravels
Shéhérazade.
Im Jahr 2024 wurde sie eingeladen, gemeinsam mit dem Dubrovnik Symphony Orchestra Ludomir Michał Rogowskis
Fantasmagoria in einem Konzert zum 70. Todestag des Komponisten sowie zum 45. Jahrestag der Aufnahme Dubrovniks in die UNESCO-Welterbeliste aufzuführen.
Joanna Dobrakowska, Foto: Emilia Stobiecka