Ich erblickte fast lauter leere Blätter; höchstens auf einer oder der anderen Seite ein paar, nur ihm zum erinnernden Leitfaden dienende, mir rein unverständliche ägyptische Hieroglyphen hingekritzelt; denn er spielte beinahe die ganze Prinzipal-Stimme bloß aus dem Gedächtnis, da, wie fast gewöhnlich der Fall eintrat, die Zeit zu kurz ward, solche vollständig zu Papiere zu bringen.
So hielt Ignaz von Seyfried, ein Freund Ludwig van Beethovens, seine Eindrücke von der Uraufführung des Klavierkonzerts c-Moll fest. An jenem Abend hatte er das zweifelhafte Vergnügen, Beethoven, der zugleich als Solist auftrat, die Noten umzublättern. Heute zählt das Konzert zu den beliebtesten Werken des Komponisten. Schon seine beiden Themen im ersten Satz dürften wohl jeder und jedem von uns vertraut sein: das erste kurz, kraftvoll und schroff – ganz typisch Beethoven -, das zweite heiter, lyrisch und von großer Schönheit. Und das Thema des dritten Satzes ist ein solcher Ohrwurm, dass wir es vermutlich noch die ganze nächste Woche vor uns hin summen werden!
Es spricht einiges dafür, dass Beethoven auch seine Beziehungen zu Frauen mit der ihm eigenen Intensität lebte: eher getragen von spontanen, leidenschaftlichen Gefühlen als von einer ruhigen und beständigen Pflege der Beziehung. Frauen spielten in seinem Leben eine wichtige Rolle, doch keine dieser Verbindungen entwickelte sich zu einer dauerhaften Partnerschaft. Beethoven stand mehreren Frauen aus seinem Umfeld nahe – Freundinnen, Schülerinnen und Angehörigen des Adels. Seine Briefe zeigen, wie tief und leidenschaftlich er solche Beziehungen empfinden konnte. Er erinnerte sich an kleinste Gesten, bewahrte die Dinge, die er von ihnen erhalten hatte, mit großer Anhänglichkeit auf und verlor sich in Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Augenblicke. Seine Gefühle waren stark und wurden selbst durch räumliche oder zeitliche Distanz kaum abgeschwächt.
Die geheimnisvollste Spur in Beethovens Liebesleben bleibt der Brief an die „unsterbliche Geliebte“ aus dem Jahr 1812. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, an wen er gerichtet war, auch wenn verschiedene Namen als mögliche Adressatinnen genannt worden sind. Der Brief ist von großer persönlicher Nähe, innerer Spannung und tiefer Sehnsucht geprägt. Er zeigt einen Mann, der sich leidenschaftlich nach Verbundenheit sehnt, dem es jedoch offenbar nicht gelingt, diese Nähe dauerhaft in seinem Leben zu verankern. Gerade weil die Geschichte ohne eindeutige Auflösung geblieben ist, zählt sie bis heute zu den faszinierendsten Rätseln seiner Biografie.
Über Mozarts Sinfonie werden wir am folgenden Tag ausführlicher sprechen, denn sie steht im Mittelpunkt der nächsten Veranstaltung der Reihe Sinfonische Monumente.
Wie an jedem Abend unter dem Motto PhilHERmonie dürfen wir auch diesmal eine herausragende Künstlerin begrüßen. Die 1990 in Odessa geborene Pianistin Olga Zado begann ihre Konzertlaufbahn bereits im Alter von sieben Jahren. Mit zwölf Jahren debütierte sie in den Philharmonien von Hamburg und Berlin. Seither ist sie als Solistin in bedeutenden europäischen Konzertsälen aufgetreten und wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Wie sie Beethovens emotionales Wechselbad der Gefühle zum Klingen bringen wird, werden wir schon bald erleben.
Wie wird er Beethovens Gefühlschaos musikalisch deuten? Das werden wir schon bald erfahren.
DETAILS
Sinfonisches Fundament
30-10-2026 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin