Bei unseren Kammerkonzerten in der Philharmonie in Szczecin versuchen wir, ausgewählte musikalische Themen in den Mittelpunkt zu stellen – eine historische Epoche, einen musikalischen Prozess, einen Komponisten, ein Phänomen oder eine bestimmte Besetzung. Dieses Mal widmen wir erstmals seit Langem ein klassisches Kammerkonzert einem besonderen Hauptdarsteller, dem Saxophon, einem Instrument, das meist mit Jazz in Verbindung gebracht wird und dessen vielfältige Möglichkeiten wir im Programm Crimes präsentieren.
Das „Verbrechen“ der Mitglieder von The WHOOP Group besteht darin, dass sie in der klassischen Musik keine unantastbaren Heiligtümer kennen. Sie nehmen Mozart das Orchester, Vivaldi die Geige und Grieg das Klavier und übertragen ihre Musik auf vier Saxophone. Was wir seit Jahrzehnten in einer bestimmten Klanggestalt kennen, verändert bei ihnen Farbe, Energie und Charakter. Und das ganz bewusst.
Das Saxophon gehört zu den jüngsten Instrumenten auf der klassischen Bühne. Erst im 19. Jahrhundert erfunden, wird es bis heute weit häufiger mit Jazz, Big Band oder Unterhaltungsmusik in Verbindung gebracht als mit Mozart oder Vivaldi. Die WHOOP Group stellt diese Hörgewohnheiten auf den Kopf. Vier Instrumente – Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon – bilden ein Ensemble mit enormer klanglicher Bandbreite. Mal klingen sie leicht und ungemein beweglich, im nächsten Moment fast wie eine ganze Orchestergruppe und kurz darauf mit einer mächtigen, beinahe orgelartigen Klangfülle.
Das wohl größte „Verbrechen“ gilt Vivaldis Vier Jahreszeiten. Einer der berühmtesten Violinkonzertzyklen der Musikgeschichte erklingt hier ohne Violine und ohne Orchester. Die WHOOP Group wählt daraus besonders eindrucksvolle Passagen aus – den ersten Satz aus Winter, das Finale aus Herbst und den heftigen Sturm, der Sommer beschließt. Gerade die Interpretation dieses letzten Ausschnitts wurde zu einem der größten Internet-Erfolge des Ensembles.
Die WHOOP Group hat diesen Ansatz von Anfang an zu ihrem Markenzeichen gemacht. Das Ensemble hat sich auf eigene Arrangements klassischer Werke ebenso spezialisiert wie auf zeitgenössische Musik und eigene Kompositionen. Das 2018 erschienene Debütalbum Crimes brachte dem Quartett eine Nominierung für den Preis Koryfeusz Muzyki Polskiej in der Kategorie Entdeckung des Jahres ein. Heute zeigen ihre Interpretationen, dass ein musikalisches „Verbrechen“ durchaus überraschend gute Folgen haben kann.
Wenn man nach Vivaldi auf vier Saxophonen plötzlich etwas Neues in seiner Musik entdeckt, lohnt es sich vielleicht doch manchmal, ein paar Regeln zu brechen!
DETAILS
Sax and the city
07-04-2027 19:00

KammersaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin