Es sind die Menschen, die Musik machen, sagt Leszek Możdżer. Einen treffenderen Einstieg in die Einladung zu seinem musikalischen Treffen mit Kacper Malisz kann man sich kaum wünschen. Seit Jahren entzieht sich Leszek Możdżer einfachen Zuschreibungen. Jazzpianist? Gewiss. Doch ebenso prägend für sein Schaffen sind die klassische Musik, seine Faszination für Chopin, eigene Kompositionen, Experimente mit dem Klang des Klaviers und Begegnungen mit Künstlern aus ganz anderen musikalischen Welten. Możdżer selbst betont, dass ihn die Einteilung von Musik in Stilrichtungen kaum interessiert. Viel wichtiger ist für ihn, was im Moment des gemeinsamen Musizierens entsteht. Musik bedeutet nicht, vorgegebenes Material zu spielen, sondern in eine lebendige Struktur einzutauchen.
Über Musik spricht Możdżer bisweilen beinahe metaphysisch. Musik ist größer als ich, sagte er in einem Interview und bezeichnete sich eher als ihren Vermittler denn als jemanden, der sie vollständig kontrolliert. An anderer Stelle formulierte er es noch deutlicher: Klänge seien nur ein Vorhang, hinter dem sich etwas wesentlich Tieferes offenbaren könne. Ebenso wichtig bleibt für ihn die Schönheit, denn – wie er sagt – es ist das natürliche Bedürfnis eines jeden Musikers, nach Schönheit zu suchen.
Kacper Malisz kommt aus einer anderen musikalischen Welt, gelangt dabei jedoch zu überraschend ähnlichen Erkenntnissen. Der Violinist und Komponist stammt aus einer Musikerfamilie aus den Niederen Beskiden und war viele Jahre Mitglied der Kapela Maliszów. Traditionelle Musik war für ihn daher von Kindheit an eine lebendige Sprache. Mit der Zeit tauchte er immer tiefer in die Welt des Jazz ein. Bei mir hat sich der Jazz irgendwie ganz organisch entwickelt, erzählte er. Dabei entdeckte er, dass traditionelle Musik und Jazz nicht nur durch ihre Freiheit miteinander verbunden sind, sondern vor allem durch eine ähnliche „Philosophie des Musizierens“, in der Improvisation eine zentrale Rolle spielt.
Für Malisz ist die polnische Violintradition eine große Inspiration und ein riesiger Schatz. Besonders faszinieren ihn Rubati im Oberk-Stil und der „Mazurka-Groove“, die er in die Welt der Jazzharmonik und seiner eigenen Kompositionen überträgt. Auch Możdżer blickt mit besonderem Interesse auf die polnische Tradition. Er erinnert daran, dass bereits Chopin aus der Volksmusik schöpfte und dass gemeinsames Musizieren, das in der Tradition verwurzelt ist, zum Ausgangspunkt für etwas völlig Neues werden kann.
Klavier und Violine. Jazz, traditionelle Musik, Klassik und Improvisation. Zwei Generationen und zwei musikalische Wege, die sich in der Überzeugung begegnen, dass die interessanteste Musik sich nicht in vertraute Kategorien einordnen lässt. Das neue gemeinsame Projekt von Leszek Możdżer und Kacper Malisz entsteht genau aus einer solchen Begegnung. Und wenn, wie Możdżer sagt, es die Menschen sind, die Musik machen, dann lässt sich ihre endgültige Gestalt am besten dort erleben, wo sie tatsächlich entsteht – auf der Bühne.
DETAILS
Możdżer | Malisz
23-04-2027 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin