Ein schlichter Tanz. Ein Märchen aus der Kinderwelt. Ein Rhythmus, der sich minutenlang wiederholt. Kaum zu glauben, dass aus so bescheidenen Gedanken einige der faszinierendsten Werke der Musik des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Denn über die Größe eines Musikstücks entscheidet nicht allein die Idee, sondern die Vorstellungskraft des Komponisten, die sie entfaltet.
Im Jahr 1887 war Gabriel Fauré bereits ein geschätzter Organist und Pädagoge, seine größten Erfolge als Komponist lagen jedoch noch vor ihm. Während eines Sommeraufenthalts in Le Vésinet schrieb er ein kleines Werk, inspiriert von der alten spanischen Pavane – einem feierlichen höfischen Tanz. Fauré selbst betrachtete es als elegant, aber nicht besonders bedeutend, bestimmt für leichte Freiluftkonzerte. Die Geschichte nahm jedoch einen anderen Verlauf. Aus der bescheidenen Komposition wurde eines der bekanntesten Sinnbilder französischer Eleganz. Bis heute zählt es zu Faurés meistgespielten Orchesterwerken.
Als Igor Strawinsky den Auftrag erhielt, ein Violinkonzert zu schreiben, lehnte er zunächst ab. Er war selbst kein Geiger und befürchtete, die Möglichkeiten des Instruments nicht überzeugend nutzen zu können. Erst die Zusammenarbeit mit dem herausragenden Geiger Samuel Dushkin bewog ihn dazu, die Herausforderung anzunehmen. 1931 zählte Strawinsky bereits zu den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit und suchte bewusst nach einer neuen musikalischen Sprache. So entstand ein Werk, das längst einen festen Platz im internationalen Violinrepertoire hat.
Maurice Ravel wiederum fand seine Inspiration in der Welt kindlicher Fantasie. Ma mère l’Oye entstand für Mimi und Jean Godebski, die Kinder enger Freunde des Komponisten. Obwohl Ravel zur selben Zeit an dem monumentalen Ballett Daphnis et Chloé arbeitete, fand er Raum für einen Zyklus musikalischer Märchen für Klavier zu vier Händen, die auf Erzählungen von Charles Perrault zurückgehen. Ein Jahr später orchestrierte er die Stücke selbst und zeigte damit, dass Zartheit und Einfachheit ebenso faszinieren können wie große, monumentale Werke. Gerade diese Orchesterfassung wurde besonders populär.
Ebenso überraschend ist die Entstehungsgeschichte des Boléro. Ein Ballettauftrag von Ida Rubinstein brachte Ravel auf die Idee, ein Werk zu schaffen, das auf einem einzigen Rhythmus und nur zwei Themen beruht. Der Komponist verändert lediglich die Klangfarben des Orchesters und steigert allmählich die Spannung. So entstand ein kühnes Experiment, das im Laufe der Zeit zu Ravels bekanntestem Werk und zu einem der großen Phänomene der Musik des 20. Jahrhunderts wurde. Das heutige Konzert erinnert daran, dass große Kunst oft aus den einfachsten Ideen entsteht.
DETAILS
Im Rhythmus von Paris
05-03-2027 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin