Das Collegium Marianum gehört zu den herausragenden europäischen Ensembles für Alte Musik auf historischen Instrumenten. Es wurde 1997 in Prag gegründet und widmet sich seit fast drei Jahrzehnten der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei verbindet das Ensemble historisch informierte Aufführungspraxis mit der Erforschung überlieferter Partituren und Dokumente. Es war bereits bei renommierten Festivals für Alte Musik zu Gast, darunter das Bachfest Leipzig, die Tage Alter Musik Regensburg und das Utrecht Early Music Festival, und konzertierte in zahlreichen europäischen Ländern.
Das künstlerische Herzstück des Collegium Marianum ist Jana Semerádová – Flötistin, Dirigentin und Forscherin auf dem Gebiet der Alten Musik, die als eine der führenden Interpretinnen auf der historischen Traversflöte gilt. Sie absolvierte ihre Ausbildung in Prag und Den Haag, ist Programmdirektorin der Prager Konzertreihe Baroque Soirées und arbeitet zudem mit bedeutenden europäischen Ensembles zusammen, die sich auf das Barockrepertoire spezialisiert haben.
Das Konzertprogramm eröffnet eine musikalische Welt, in der Familie, Freundschaft und beruflicher Wettstreit ebenso eng miteinander verwoben waren wie die Stimmen im barocken Kontrapunkt. Johann Bernhard Bach war ein Cousin Johann Sebastian Bachs und ein angesehener Organist in Eisenach. Von seinem Schaffen ist nur wenig erhalten geblieben, doch seine Orchestersuiten haben unter anderem deshalb überdauert, weil Johann Sebastian Abschriften davon in seine eigene Notensammlung aufnahm. In der Suite in e-Moll findet sich neben der französischen Ouvertüre und verschiedenen Tänzen auch ein Satz mit dem Titel Les Plaisirs (Die Freuden), auf den der heute gebräuchliche Beiname des Werks zurückgeht.
Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann verband eine enge Freundschaft und zugleich eine berufliche Beziehung. Telemann wurde Pate von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel, der seinen zweiten Vornamen ihm zu Ehren erhielt. Als 1722 ein neuer Kantor für die Thomaskirche in Leipzig gesucht wurde, galt zunächst nicht Bach, sondern Telemann als erster Kandidat. Dieser nutzte das Angebot jedoch, um in Hamburg eine Gehaltserhöhung auszuhandeln, und blieb dort in seinem Amt. Erst nachdem ein weiterer Kandidat abgesagt hatte, erhielt Johann Sebastian Bach die Stelle.
Telemann war nicht nur ein außerordentlich produktiver Komponist und Multiinstrumentalist, sondern auch ein leidenschaftlicher Gärtner. Er bat Freunde in ganz Europa um seltene Pflanzen, und selbst Händel schickte ihm aus England eine Kiste mit ausgewählten Blumen. Telemann schrieb, die Musik sei sein Feld und sein Pflug, doch in späteren Jahren trat eine weitere Leidenschaft hinzu – seine Liebe zu den Blumen. In Szczecin erklingen sein Flötenkonzert in D-Dur und die Ouvertürensuite in d-Moll, die eindrucksvoll zeigen, warum er zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten deutschen Komponisten galt.
Den Abschluss bildet Johann Sebastian Bachs 2. Orchestersuite in h-Moll BWV 1067, die in Stimmen aus den Jahren um 1738/39 überliefert ist. Die Traversflöte ist darin nicht nur Teil des Orchesters, sondern rückt ins Zentrum des Geschehens. In der Polonaise greift Bach eine Melodie auf, die an das polnische Lied Wezmę ja kontusz erinnert. Den Schlusspunkt setzt die berühmte Badinerie – ihr Titel bedeutet „Scherz“ oder „Spaß“, doch der äußerst schnelle Satz gehört für die Flötistin zu den anspruchsvollsten Momenten des gesamten Programms.
Das Konzert des Collegium Marianum erinnert damit daran, dass der Barock keineswegs nur eine Welt monumentaler Genies war, die in Einsamkeit schufen. Vielmehr war es ein lebendiges Geflecht aus familiären Verbindungen, Freundschaften, Reisen, abgeschriebenen Partituren und gegenseitigen Inspirationen – eine Welt, die Jana Semerádová und ihr Ensemble auf historischen Instrumenten wieder zum Klingen bringen.
DETAILS
Collegium Marianum | Es war einmal...
12-03-2027 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin