Das Szczecin International String Quartet vereint Musiker aus Polen, der Ukraine, Italien und Südkorea. Das Programm dieses Konzerts wird so zu einem musikalischen Selbstporträt des Ensembles. Jedes Werk führt in das Land und zu der Tradition, die eines seiner Mitglieder repräsentiert.
Den italienischen Teil des Programms eröffnet Luca Persico, Bratschist im Sinfonieorchester der Philharmonie in Szczecin. Er wählte das 4. Streichquartett von Gian Francesco Malipiero aus dem Jahr 1934 – eines venezianischen Komponisten, der nicht nur zeitgenössische Musik schrieb, sondern sich auch maßgeblich für die Wiederentdeckung der Werke Monteverdis und Vivaldis einsetzte. Malipiero gehörte zu jener Komponistengeneration, die die italienische Musik aus dem Schatten der Oper lösen und ihre bedeutende Instrumentaltradition neu beleben wollte.
Polen wird von Paweł Maślanka vertreten, der seit 2010 Konzertmeister des Sinfonieorchesters der Philharmonie in Szczecin ist. Auf seine Initiative hin erklingt das 2. Streichquartett von Karol Szymanowski, das im Herbst 1927 für einen Kompositionswettbewerb in Philadelphia entstand. Das Werk wurde damals nicht ausgezeichnet. Die Jury prämierte stattdessen das 3. Streichquartett von Béla Bartók sowie die Serenade von Alfredo Casella. Die Musikgeschichte urteilte jedoch anders. Im zweiten Satz griff Szymanowski auf das Räuberlied Poccież, chłopcy zurück, das auch aus dem Ballett Harnasie bekannt ist. Die Schlussfuge entwickelte er unter anderem aus einer Variante einer Sabała-Melodie und aus Elementen der Podhale-Tonleiter. Trotz der außerordentlich anspruchsvollen Partien für alle vier Instrumente fand das Werk später Eingang in das Repertoire bedeutender Streichquartette.
Die Ukraine wird von Andrii Kreshchenskyi vertreten, einem Absolventen der Nationalen Musikakademie in Lwiw. Seine ersten Orchestererfahrungen sammelte er im Lwiwer Kammerorchester „Academia“, das damals von Myroslaw Skoryk geleitet wurde. Deshalb hat die Wahl von Skoryks Diptychon für Streichquartett für den Violinisten auch eine persönliche Bedeutung. Die beiden Sätze des Werks tragen die Titel Lamento und Perpetuum mobile. Skoryk beschränkt sich dabei jedoch nicht auf einen einfachen Gegensatz zwischen langsamer und schneller Musik. Im zweiten Satz erscheinen zwischen den motorischen Figuren unter anderem Rhythmen, die an Jazz und Tango erinnern.
Eine koreanische Stimme bringt Yesong Lee in das Ensemble ein – eine in Gwacheon geborene Cellistin, die in Seoul und Lübeck studierte und seit 2024 Mitglied unseres Orchesters ist. Yessori von Soo Yeon Lyuh entstand 2016; der Titel bedeutet auf Koreanisch Klang aus der Vergangenheit. Inspiriert wurde das Werk vom Haegeum, einem traditionellen koreanischen Streichinstrument mit zwei Saiten. Die Komponistin versteht das gesamte Quartett als dessen erweiterte, mehrstimmige Verkörperung und überträgt die charakteristischen Schwingungen, Glissandi und fließenden Rhythmen der koreanischen Musik auf europäische Streichinstrumente.
Vier Musiker aus Polen, der Ukraine, Italien und Südkorea haben sich in unserem Sinfonieorchester zusammengefunden und bringen nun die Musik ihrer Herkunftsländer und Traditionen auf die Bühne. So wird dieses Konzert zu einer echten Begegnung der Kulturen, vereint im gemeinsamen Klang des Streichquartetts.
DETAILS
Aus allen vier Himmelsrichtungen
25-11-2026 19:00

KammersaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin