Kurz nach dem Besuch der Preisträger:innen des jüngsten Chopin-Wettbewerbs wird unsere Philharmonie erneut zum Podium für außergewöhnliche junge Talente. Diesmal stehen die herausragendsten Violinist:innen im Mittelpunkt, ausgewählt von einer hochkarätigen Jury unter dem Vorsitz des gebürtigen Stettiners Bartłomiej Nizioł. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes stehen die Namen der Solist:innen noch nicht fest. Eines aber steht fest. Es werden Abende sein, die in Erinnerung bleiben.
Der Internationale Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb gehört zu den ältesten und renommiertesten Violinwettbewerben der Welt. Er wurde 1935 in Warschau anlässlich des 100. Geburtstags des Komponisten ins Leben gerufen und findet seit 1952 regelmäßig alle fünf Jahre in Poznań statt. Von Anfang an war er international ausgerichtet, was in der Zwischenkriegszeit eine Seltenheit darstellte. Der Wettbewerb zieht junge Violinist:innen aus aller Welt an und gilt für sie als einer der wichtigsten Wege auf die internationale Bühne. Zu seinen Preisträger:innen zählen herausragende Persönlichkeiten der internationalen Violinszene; bereits die erste Ausgabe brachte Künstlern wie Ginette Neveu und David Oistrach den Durchbruch.
Der Wettbewerb besteht aus mehreren Auswahlrunden, in denen die Teilnehmenden sowohl Solowerke als auch Konzertliteratur mit Orchester vortragen; Werke von Henryk Wieniawski bilden dabei einen wesentlichen Teil des Programms. In der Regel dauert der Wettbewerb zwei bis drei Wochen und endet mit einem Finale vor einem Sinfonieorchester. Bewertet werden die Teilnehmenden von einer internationalen Jury, der herausragende Violinist:innen und Pädagog:innen angehören. Die Preisträger:innen erhalten nicht nur hohe Geldpreise, sondern auch konkrete Unterstützung für ihre weitere Karriere, etwa durch Konzerte, Aufnahmen und die Zusammenarbeit mit Musikinstitutionen. Dadurch bleibt der Wieniawski-Wettbewerb einer der wichtigsten Bezugspunkte des internationalen Musiklebens.
Ein zusätzlicher Höhepunkt ist für uns die Gelegenheit, Bedřich Smetanas gesamten Zyklus sinfonischer Dichtungen Má vlast zu hören, vorausgesetzt, die Preisträger:innen treten bei beiden Konzerten auf. Dieser einzigartige, aus sechs Teilen bestehende Zyklus eröffnet den Blick auf die Musik des 19. Jahrhunderts als Raum nationaler Identitätsbildung. Auch wenn Smetana und Wieniawski unterschiedliche Gattungen vertreten, Smetana mit seiner monumentalen sinfonischen Erzählung, Wieniawski mit seiner virtuosen Violinlyrik, verbindet sie die Zeit, die Ästhetik und eine gemeinsame Idee – die Überzeugung, dass Musik die Geschichte eines Volkes, seiner Landschaft, seiner Emotionen und seiner Kultur erzählen kann. So wird der Besuch beider Konzerte nicht nur zu einem künstlerischen Erlebnis, sondern auch zu einer umfassenderen Begegnung mit dieser faszinierenden Epoche.
DETAILS
Gewinner:in des 2. Preises beim 17. Wieniawski-Wettbewer| Má vlast, Vol. 1
20-11-2026 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin