Wenn wir Sie zu einem Konzert des 1. Preisträgers des Wieniawski-Wettbewerbs einladen, ist uns bewusst, dass es eigentlich keiner weiteren Empfehlung für diesen Abend bedarf. Dennoch nehmen wir dies zum Anlass, Ihnen den Namensgeber des Wettbewerbs näher vorzustellen, denn es lohnt sich zu wissen, an welchem Maßstab sich seine Preisträgerinnen und Preisträger messen.
Henryk Wieniawski, 1835 in Lublin geboren, galt schon in jungen Jahren als außergewöhnliches Talent. Im Alter von nur acht Jahren wurde er, obwohl die Vorschriften dies eigentlich nicht vorsahen, durch einen Sondererlass am Pariser Konservatorium aufgenommen, wo er in der Klasse von Joseph Lambert Massart studierte. Er schloss seine Ausbildung mit elf Jahren ab und wurde damit zum jüngsten Absolventen in der Geschichte der Hochschule. Auch seine große Konzertkarriere begann sehr früh. Noch als Jugendlicher unternahm er ausgedehnte Tourneen durch Russland und Mitteleuropa und trat später unter anderem in Paris, London, St. Petersburg, Wien, Berlin und Brüssel auf. Er war nicht nur Virtuose, sondern auch Pädagoge an zwei bedeutenden europäischen Musikzentren: dem St. Petersburger Konservatorium und dem Brüsseler Konservatorium. In den Erinnerungen an Wieniawski erscheint immer wieder das Bild eines Künstlers von enormer Ausstrahlung, brillanter Intelligenz und großem Charme.
Wieniawski war fast ununterbrochen auf Reisen, gab Konzerte und komponierte; sein Leben verlief in einem nahezu unglaublichen Tempo, vor allem wenn man bedenkt, dass er in seinen letzten Jahren schwer krank war. In seiner Jugend wurde er mit Paganini verglichen, und Hector Berlioz bezeichnete ihn als einen der herausragendsten Violinisten, die das Pariser Konservatorium hervorgebracht hatte. Józef Sikorski wiederum versuchte, die außergewöhnliche Energie seines Spiels in Worte zu fassen: Die Kraft, mit der Herr Wieniawski seine Zuhörer mitreißt, hat etwas Teuflisches an sich, etwas Feuriges und Gewitterhaftes. Zugleich war Wieniawski ein Mensch von großer gesellschaftlicher Gewandtheit, der sowohl vom Publikum als auch von den europäischen Künstlereliten und an den Königshöfen geschätzt wurde. Überliefert sind allerdings auch Berichte über seine, gelinde gesagt, finanzielle Sorglosigkeit und seine Neigung zum Glücksspiel, die dazu führten, dass er sich trotz seiner enormen Erfolge zeitweise in einer sehr schwierigen finanziellen Lage befand.
Einen besonderen Platz in seinem Schaffen nehmen die beiden Violinkonzerte ein. Das 1. Konzert fis-Moll op. 14 wurde 1853 fertiggestellt und erklang zum ersten Mal im Leipziger Gewandhaus. Ein Kritiker schrieb nach dieser Aufführung, das Publikum sei elektrisiert gewesen. Das 2. Konzert d-Moll op. 22, an dem Wieniawski länger gearbeitet hatte und das er schließlich 1870 veröffentlichte, gehört zu den reifsten Werken seiner Petersburger Zeit. Gegen Ende seines Lebens komponierte er noch ein Konzert a-Moll, das später verschollen ist und heute nur noch aus Erwähnungen in Programmheften und Kritiken bekannt ist. Wieniawski blieb seinen Zeitgenossen als Künstler mit einem edlen, poetischen und feurigen Spiel in Erinnerung. Gerade diese Verbindung von brillanter Technik und intensiver Ausdruckskraft machte ihn zu einem unerreichbaren Vorbild für heutige Violinistinnen und Violinisten, die bei dem nach ihm benannten Wettbewerb antreten.
DETAILS
Gewinner:in des 1. Preises beim 17. Wieniawski-Wettbewerb | Má vlast, Vol. 2
22-11-2026 19:00

SinfoniesaalFilharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie
ul. Małopolska 48
70-515 Szczecin